Die Klimakrise als Chance zum Wandel verstehen

Im Chinesischen: Kriese gleich Gefahr und Chance In unser Kultur assoziieren wir Krise hauptsächlich mit Gefahr. Krisen sind etwas wovor wir Angst haben und sie sind negativ besetzt. Im Chinesischen jedoch besteht das Wort „Krise“ aus den zwei Wörtern „Gefahr“ und „Chance“. Jeder der schon mal eine persönlich Krise durchgemacht hat, kann das vielleicht nachvollziehen, dass eine Krise auch eine Chance sein kann, vorausgesetzt man beschäftigt sich nicht nur mit Symptombekämpfung, sondern probiert wirklich zur Ursache der Krise vorzudringen und versucht diese zu verändern. So betrachtet kann man Krisen etwas positives abgewinnen, nämlich dass sie für uns wertvolles Feedback sind, die uns zeigen, dass es so nicht weiter gehen kann, dass eine „Kurskorrektur“ notwendig ist. Krisen sind somit ein wichtiger Teil der Evolution des Lebens. Und darum geht es mir auf dieser Webseite: Die Klimakrise als wertvolles Feedback der Natur an uns Menschen zu beleuchten. Und die Ursachen genauer zu beleuchten und zu zeigen, wie die Klimakrise eine Chance für uns zum Wandel sein kann.

Was ist die Klimakrise?

Unser Klima erwärmt sich als Folge der menschgemachten Treibhausgasemissionen. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Erde schon um fast 1°C erwärmt. Seit der ersten Klimakonferenz 1992 wird auf internationaler Ebene eine Lösung des Problems gesucht, doch seitdem sind die CO2 Emissionen so stark angestiegen, wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Alle Staaten sind sich seit der Klimakonferenz in Paris einig, das etwas getan werden muss, aber das was die einzelnen Staaten im Moment an Treibhausgasreduktionen anbieten reicht bei weitem noch nicht aus, um die Erderwärmung auf 2°C zu begrenzen, geschweige den auf 1.5°C (siehe Climate Action Tracker). Und die 2°C Grenze ist wichtig, weil wir bei einer Erwärmung darüber hinaus sehr wahrscheinlich Kipppunkte im Klimasystem erreichen, die irreversible Veränderungen anstoßen, mit drastischen Auswirkungen für uns Menschen und das Leben auf der Erde. Und meistens haben wir den Fokus auf der drohenden Gefahr, aber weniger auf der Chance, die in dieser Situation liegt!

Eine Geschichte zum Klimawandel

Die Situation in den Klimaverhandlungen erinnert mich an eine Geschichte, in der sich alle einig sind, dass etwas wichtiges getan werden muss, aber jeder denkt „Die anderen werden es schon erledigen“ und am Ende tut niemand etwas. Nur einer erkennt, dass die anderen nichts tun werden, und tut das, was jeder tun könnte. Nun mag der eine oder andere Leser denken: „Wie bescheuert ist der denn?“ und ich mag dies nicht verübeln, weil mir diese Denkweise sehr vertraut vorkommt. Aber genau darum geht es mir hier: Es ist nicht bescheuert, dass zu tun, was jeder tun könnte, auch wenn keiner es sonst tut! Denn wenn man erst mal die Chance in der Krise erkennt, kann der Weg Spaß machen, Freude bereiten, vor allem dann, wenn man merkt, dass man nicht alleine bleibt, weil es doch den einen oder anderen Menschen gibt, der sich einem anschließt. Und es gibt eine wachsende Anzahl an Menschen, die tun, was jeder tun könnte. Konkrete Anregungen was jeder tun kann findest Du hier. Nun wieder zurück zur Klimaerwärmung.

Klimaerwärmung als Symptom

Die menschgemachte Klimaerwärmung ist nur ein Symptom eines noch viel größeren Problems: Wir Menschen leben auf diesem Planeten nicht nachhaltig, nicht enkeltauglich! Im Moment verbrauchen wir Ressourcen, als ob wir 1,6 Erden hätten, wenn man den Lebensstil unserer westlichen Gesellschaft global leben würde, würden wir sogar 4 oder 5 Erden brauchen, um uns nachhaltig mit Ressourcen zu versorgen. Der „Earth Overshoot Day“, der theoretische Tag, an wir alle Ressourcen für dieses Jahr verbraucht haben, war in 2016 der 8. August. Den Rest des Jahres lebten wir auf Kosten der nachfolgenden Generationen! Und dieser Tag hat sich in den letzten Jahren um einiges nach vorne verschoben, war er noch im Jahr 2000 am 1. November. Unsere Gesellschaft ist also auf einem riesigen Win-Lose Game aufgebaut: Wir in unserer westlichen Gesellschaft gewinnen an materiellem Wohlstand, auf Kosten der nachfolgenden Generationen, auf Kosten der restlichen Welt, auf Kosten unserer Umwelt.

Der Weg zur Nachhaltigkeit

Die Abkehr von fossilen Energieträgern ist so schwierig, weil unsere Wirtschaft, unser materieller Wohlstand, unser Lebensstil heute sehr vom Kohlenstoff abhängig sind. Unsere Gesellschaft hängt am Tropf der fossilen Energieträger wie ein Süchtiger, weil wir noch keine allumfassende Alternative haben! Okay, wir bauen gerade Alternativen auf, und das ist auch gut so. Aber man muss sich nur einmal vorstellen, wie unser Leben aussehen würde, gäbe es von heute auf morgen keine fossilen Energieträger mehr. Und diese Rohstoffe werden uns eines Tages ausgehen, wenn wir weiterhin so wirtschaften, dass wir vieles produzieren, um es nach ein paar Jahren weg zu werfen. Und die Natur zeigt uns in so vielen Beispielen, wie man nachhaltige Kreisläufe schaffen kann.

Klimakrise ist eine Systemkrise

Unser heutiges System fördert ein Stück weit die Umweltzerstörung. Heutige Wirtschaftsunternehmen sind hauptsächlich auf Wachstum und Gewinnmaximierung ausgerichtet. Mit der Zerstörung und Ausbeutung der Umwelt kann man in unserem Wirtschaftssystem viel Geld verdienen, weil die Kosten für die Umweltzerstörung und Auswirkungen auf nachfolgende Generationen in unserem Geld- und Wirtschaftssystem nicht berücksichtigt werden. Und Umweltschutz ist meist mit höheren Kosten verbunden. Von daher wird für mich in der Klimakrise eine Systemkrise sichtbar.

Top-Down oder Bottom-Up Ansatz?

Wie können die notwendigen Veränderungen erreicht werden? Von oben (Regierungen, Management in Unternehmen,...), wie im Top-Down Ansatz? Oder von unten (jeder Bürger), wie im Bottom-Up Ansatz? Eigentlich ist das für mich keine „oder“ Frage, sondern die Antwort muss „und“ lauten, da es ein gekoppeltes System ist. Aber ich habe im Moment nicht das Vertrauen, dass der Top die notwendigen Veränderungen von sich aus initiiert, was für mich Teil der Systemkrise ist. Aber der Bottom kann mutig vorangehen und damit Druck auf den Top ausüben, auch von oben Veränderungen anzustoßen und voranzutreiben (mutmachendes Beispiel: Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland).

Der Wandel von unten geschieht

Es gibt viele schöne Beispiele, wo im Moment kleine Veränderungen passieren, die von unten initiiert wurden. Sei es von Elterninitiativen gegründete (Wald-)Kindergärten und freie Schulen, Einkaufsgemeinschaften für Biolebensmittel, lokale Nachhaltigkeitsinitiativen wie Transition Town, die Ökodorfbewegung, Car Sharing, Unternehmen, die ihr Handeln nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten ausrichten, oder oder oder... Waren das alles noch vor 30 Jahren Randerscheinungen in unserer Gesellschaft, so sind sie heute doch schon vielerorts in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Den Pionieren der frühen Umweltbewegungen ist es zu verdanken, dass wir heute vielerorts schon eine beachtliche Infrastruktur vorfinden, so dass es für uns heute relativ einfach ist, einen nachhaltigeren Lebensstil zu führen, ohne gleich ganz aus unserer Gesellschaft aussteigen zu müssen.

Kulturwandel zu gleichberechtigten Beziehungen

Aber nicht nur in unserer Gesellschaft hat sich schon viel verändert, auch auf zwischenmenschlicher Ebene erlebe ich einen Wandel: Waren Beziehungen vor 50 oder 100 Jahren meist von einem Machtgefälle geprägt, so werden Beziehungen heute mehr und mehr auf Augenhöhe gelebt. Das erlebe ich sowohl in Paarbeziehungen als auch im Verhältnis von Eltern zu Kindern oder im Arbeitsumfeld. Hier wurde erkannt, dass Machtgefälle ein Gefühl von Verbundenheit verhindern, während eine gleichberechtigte Begegnung auf Augenhöhe ein Gefühl von Verbundenheit fördern. Und dieser Wandel im Kleinen macht mir Hoffnung fürs Große, weil ich mir diesen Wandel im Großen wünsche. Ich wünsche mir, dass wir Menschen aufhören, uns über die Natur zu erheben und stattdessen die Verbindung suchen, indem wir der Natur und allen Lebewesen wieder auf Augenhöhe begegnen. Und je mehr Beziehungen im Kleinen auf Augenhöhe gelebt werden, desto mehr wächst in mir das Vertrauen, dass es für uns wieder normal wird, auch im Großen, der Natur gegenüber auf Augenhöhe in Beziehung zu treten.

Erfolgreiche Bottom-Up Bewegungen

Was mir auch Mut macht: In der Geschichte der Menschheit gibt es einige Beispiele, in denen Win-Lose Games durch eine friedliche Bottom-Up Bewegung beendet wurden. Die Befreiungsbewegung in Indien rund um Mahatma Gandhi hat es geschafft Indien ohne Gewalt zu befreien, genauso wie Bewegung um Nelson Mandela das Ende der Apartheid in Südafrika erreicht hat, oder die Bürgerbewegung in der DDR den Fall der Berliner Mauer. All diese Ereignisse haben gemeinsam:

Der Klimawandel lässt uns bereits jetzt erfahren, dass wir unser Win-Lose Game mit der Natur nicht ewig weiterspielen können, dass es mehr und mehr zum Lose-Lose Game wird. Und die Bewegung, die dieses Win-Lose Game beenden will, wächst.

Bist Du schon Teil dieser Bewegung? Hier findest Du ein paar konkrete Anregungen, wie Du zu einem Wandel in der Welt beitragen kannst.

Den Wandel (er)leben

Wenn Du den Wandel erleben möchtest, kann ich Dir empfehlen mal ein Ökodorf zu besuchen (z.B. Ökodorf Sieben Linden ). Die Ökodorfbewegung ist ein Bottom-Up Ansatz, die bereits eine andere Kultur des Miteinanders zwischen Menschen und zwischen Mensch und Natur leben. Ökodörfer sind Modelle gelebter Nachhaltigkeit, die zeigen, dass mehr Nachhaltigkeit möglich ist, ohne eine Einschränkung in der Lebensqualität. Sie testen in einem Mikrokosmos verschiedene Ansätze zur Lösung dieser Herausforderung im Großen und zeigen, wie wichtig ein Umdenken/Umfühlen - ein Bewusstseinswandel – ist, um den Wandel zu (er)leben!